Videopoker: Regeln, Gewinntabelle und Strategie

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Videopoker sieht aus wie ein Automat und wird gespielt wie ein Kartenspiel, und gerade diese Mischung macht es durchschaubarer als fast jedes andere Spiel mit Bildschirm, weil die Karten aus einem gewöhnlichen Deck von 52 Blatt kommen und sich die Auszahlungsquote deshalb aus der sichtbaren Tabelle errechnen lässt. Wer die Tabelle lesen kann, sieht dem Gerät seinen Preis schon vor der ersten Hand an.

Wie Videopoker gespielt wird

Das Gerät gibt fünf Karten: Der Spieler wählt die Karten zum Halten („Hold“), die übrigen ersetzt das Gerät („Draw“), und bezahlt wird die Endhand nach der sichtbaren Gewinntabelle („Pay Table“). In der Grundform „Jacks or Better“ zahlt die Tabelle ab einem Paar Buben oder besser, also ab Buben, Damen, Königen oder Assen, während alles darunter den Einsatz verliert.

Gemischt wird für jede Hand neu: Nach Abschnitt 4.4.4 des Prüfstandards GLI-19 (Fassung 3.0, Revision vom 17. Juli 2020) muss jedes Spiel mit Karten beginnen, die aus einem zufällig gemischten Stapel stammen; die Ersatzkarten dürfen schon mit der ersten Zufallszahl festgelegt werden, solange sie der Reihe nach verwendet werden. Für die Wahrscheinlichkeiten macht das keinen Unterschied, weil jede Karte, die nachkommt, aus demselben gemischten Rest stammt.

Die Tabelle lesen: 9/6 gegen 8/5

Die Kurzformeln, mit denen Kenner ein Gerät beschreiben, nennen zwei Zeilen der Tabelle, nämlich was ein Full House und was ein Flush pro eingesetzter Einheit zahlen: „9/6“ heißt neun und sechs, „8/5“ heißt acht und fünf. Die übrigen Zeilen sind bei diesen Geräten gleich, und wir haben die vollständige Tabelle für 9/6 so übernommen, wie sie veröffentlichte Berechnungen mit den Wahrscheinlichkeiten bei bester Spielweise angeben (Fassung vom 3. August 2026, Abruf am 3. November 2026).

Jacks or Better 9/6: Auszahlung pro Einheit und Häufigkeit bei bester Spielweise
EndhandAuszahlungHäufigkeit
Royal Flush800etwa 1 : 40.400
Straight Flush50etwa 1 : 9.150
Vierling25etwa 1 : 423
Full House9 (bei 8/5: 8)etwa 1 : 87
Flush6 (bei 8/5: 5)etwa 1 : 91
Straße4etwa 1 : 89
Drilling3etwa 1 : 13,4
Zwei Paare2etwa 1 : 7,7
Buben oder besser1etwa 1 : 4,7
keine Gewinnhand054,5 % der Hände

Eine Einheit weniger auf dem Full House und eine weniger auf dem Flush klingen nach einer Kleinigkeit, und doch fällt die Auszahlungsquote von 99,54 auf 97,30 Prozent, sodass der Vorteil des Hauses von 0,46 auf 2,70 Prozent steigt, also fast auf das Sechsfache und praktisch auf den Wert des europäischen Roulettes. Bei 7/5 sind es noch 96,15 Prozent, während 6/5 nur 95,00 Prozent erreicht.

Alle diese Quoten sind theoretische Durchschnitte über sehr viele Hände bei fehlerfreier Spielweise, also das, was man sonst „Return to Player“ nennt (den langfristigen Rückfluss), und eine einzelne Sitzung kann weit darüber oder darunter liegen. Kurzfristig entscheidet der Zufall.

Wir haben das für einen Spieler durchgerechnet, der 2.000 Hände zu je 1 € spielt: Er verliert im Mittel an einem 9/6-Gerät mit bester Spielweise 9,12 €, an einem 8/5-Gerät 54,03 € und an einem 6/5-Gerät 100,08 €. Der Unterschied steht auf dem Bildschirm, bevor die erste Karte kommt.

Den Royal Flush rechnet die Tabelle mit dem 800-Fachen, und diesen Bonus auf die höchste Hand zahlen die Geräte nach veröffentlichten Angaben für das Spiel mit fünf Münzen; wer mit weniger Münzen spielt, verzichtet deshalb auf einen Teil der Quote, ohne dass sich an den Wahrscheinlichkeiten etwas ändert.

Welche Karten man hält

Videopoker ist eines der wenigen Spiele, in denen die eigenen Entscheidungen die Quote messbar verschieben, und für 9/6 Jacks or Better gibt es eine veröffentlichte vereinfachte Strategie mit sechzehn Rangstufen, die 99,46 Prozent erreicht, gegenüber 99,54 Prozent bei bester Spielweise. Die Abweichung von 0,08 Prozentpunkten kostet nach derselben Veröffentlichung einen vollen Einsatz alle 1.178 Hände, was wir für einen kleinen Preis halten, gemessen an einer Liste, die sich merken lässt.

Drei Stufen dieser Liste verdienen einen zweiten Blick: Vier Karten zu einem Royal Flush hält man sogar dann, wenn man damit eine fertige Straße oder einen fertigen Flush aufbricht, ein hohes Paar („High Pair“) geht vier Karten zu einem Flush vor, und ein niedriges Paar („Low Pair“) wird erst nach diesen vier Karten gehalten. Vier Karten zu einer offenen Straße („Outside Straight“, etwa 7, 8, 9 und 10) stehen an zehnter Stelle, während eine Straße mit Lücke („Inside Straight“) gar nicht vorkommt.

Die Liste gilt aber nur für diese Tabelle, weshalb es in den veröffentlichten Berechnungen für jede Variante eine eigene Strategie gibt.

Die anderen Varianten

„Bonus Poker“ zahlt für Vierlinge je nach Rang verschieden, in der verbreiteten 8/5-Tabelle 80 Einheiten für vier Asse, 40 für vier Zweien bis Vieren und 25 für die übrigen, womit es auf 99,17 Prozent kommt. Beim „Deuces Wild“ zählen die Zweien als Joker, und die Tabelle zahlt erst ab einem Drilling, mit eigenen Zeilen wie „vier Zweien“. Die Strategie von Jacks or Better passt dort nicht mehr.

Für jede Variante schlagen wir dasselbe Prüfverfahren vor: die Tabelle ablesen, die Quote für genau diese Tabelle nachschlagen (die beste Tabelle einer Variante heißt „Full Pay“) und nur mit der passenden Strategie spielen. Wir halten das für den einzigen Teil des Spiels, in dem Wissen den Verlust tatsächlich verringert.

Was am Gerät in der eigenen Hand bleibt

Wer spielt, kann drei Dinge selbst prüfen, nämlich die beiden Zahlen für Full House und Flush, die Münzzahl für den Bonus auf den Royal Flush und die eigene Kenntnis der Strategie für genau diese Tabelle; der Rest ist aus unserer Sicht Zufall und die Summe der Einsätze. Wie man Auszahlungsquoten anderer Spiele liest, zeigt der Beitrag über Auszahlungsraten, und das Tischspiel, in dem Entscheidungen ähnlich viel ausmachen, ist das Blackjack.

Häufige Fragen

Was bedeutet 9/6 beim Videopoker?

Ein Full House zahlt neun und ein Flush sechs Einheiten pro Einsatzeinheit; mit bester Spielweise kommt Jacks or Better in dieser Fassung auf 99,54 Prozent.

Wie viel teurer ist ein 8/5-Gerät als ein 9/6-Gerät?

Der Vorteil des Hauses steigt von 0,46 auf 2,70 Prozent, auf 2.000 Hände zu 1 € also von gut 9 € auf gut 54 € erwarteten Verlust.

Braucht man beim Videopoker eine Strategie?

Ja, denn die Quote gilt nur bei richtiger Spielweise, und schon die vereinfachte Strategie für 9/6 Jacks or Better liegt 0,08 Prozentpunkte unter der besten.

Ist Videopoker eine Form von Online-Poker?

Nicht im Sinne des Staatsvertrags: Am Gerät tritt man allein gegen eine feste Tabelle an, während Online-Poker dort ein Spiel zwischen Menschen ohne Bankhalter ist.

Wie oft kommt beim Videopoker ein Royal Flush?

Bei bester Spielweise an einem 9/6-Gerät etwa einmal in 40.400 Händen, nach veröffentlichten Berechnungen.