Nach unserer Einschätzung ist die Auszahlungsquote die am leichtesten missverstandene Zahl der Glücksspielwerbung, denn sie beschreibt das Mittel aus sehr vielen Runden und nicht den Abend eines einzelnen Spielers. Wer sie richtig liest, kann mit ihr rechnen, und wer sie für ein Versprechen hält, wird von ihr getäuscht, ohne dass jemand gelogen hätte.
Was die Zahl misst
Die „Auszahlungsquote“ (im Englischen „Return to Player“, kurz RTP) ist der Anteil aller Einsätze, den ein Spiel im Durchschnitt als Gewinne an die Spieler zurückgibt, und der Rest ist der beim Anbieter verbleibende „Hausvorteil“ (englisch „House Edge“). Eine Quote von 96 % heißt also: Von jedem eingesetzten Euro fließen auf lange Sicht 96 Cent zurück und 4 Cent nicht.
Am einfachsten sieht man das an einem Spiel, dessen Rechnung offen liegt. Beim Roulette mit einer einzigen Null (der „Zero“) gibt es 37 Felder, und eine Wette auf eine einzelne Zahl (das „Plein“) zahlt das 35-Fache des Einsatzes, sodass der Spieler im Mittel 36 von 37 Einsätzen zurückbekommt.
Das ergibt eine Quote von 97,30 % und einen für jede Wette auf diesem Tisch gleichen Vorteil der Bank von 2,70 %, wie die Regeln des europäischen Roulettes zeigen. Bei einem Spielautomaten steckt dieselbe Zahl unsichtbar im Gewinnplan und in der vom Hersteller festgelegten Verteilung der Symbole, aber sie entsteht auf dieselbe Weise (die Bestimmung des Ergebnisses beschreibt die Anleitung zu den Online-Spielautomaten).
Warum ein Durchschnitt kein Versprechen ist
Das Wort, auf das es ankommt, ist „im Durchschnitt“. Die Quote beschreibt das Ergebnis einer riesigen Zahl von Runden, und ein einzelner Abend ist für diese Zahl zu kurz, so wie zehn Münzwürfe zu wenige sind, um zu zeigen, dass eine Münze in der Hälfte der Fälle Kopf zeigt (wir haben nachgerechnet: genau fünfmal „Kopf“ in zehn Würfen gibt es nur in knapp einem Viertel der Fälle).
Der zweite Fehler besteht darin, die Quote auf das eingezahlte Geld zu beziehen statt auf den Umsatz (die Summe aller Einsätze). Ein Spieler, der 100 € einzahlt und seine Gewinne immer wieder einsetzt, kommt schnell auf 1.000 € „Spielvolumen“ (bei 1 € je Runde sind das 1.000 Runden).
Bei 96 % beträgt sein erwarteter Verlust dann nicht 4 €, sondern 4 % von 1.000 €, also 40 €; spielt er, bis nichts mehr übrig ist, hat er im Durchschnitt sogar 2.500 € umgesetzt, denn so viel Umsatz braucht es, um bei 4 Cent je Euro 100 € zu verlieren.
Dieselbe Rechnung entscheidet, was ein Bonus mit „Umsatzbedingungen“ (der Pflicht, ihn vor einer Auszahlung mehrfach umzusetzen) wert ist. In unserem Beispiel verlangt ein Bonus von 50 € mit dreißigfacher Umsatzbedingung 1.500 € Umsatz, und bei 96 % kostet dieser Umsatz im Durchschnitt 60 €, also mehr als der Bonus selbst, und wie man diese Rechnung für jede Bedingung aufmacht, zeigt die Seite über Umsatzbedingungen.
Varianz: was zwischen Durchschnitt und Abend liegt
Die Abweichung eines Abends vom Durchschnitt hängt von der „Varianz“ ab, die bei Spielautomaten meist „Volatilität“ heißt. Wir haben dafür zwei gedachte Spiele durchgerechnet, die beide genau 96 Cent je Euro zurückgeben: Spiel A zahlt in jeder zweiten Runde 1,92 € auf einen Einsatz von 1 € und sonst nichts, Spiel B zahlt in einer von hundert Runden 96 € und sonst nichts.
Nach 100 Runden mit je 1 € liegt ein Spieler bei Spiel A in gut sieben von zehn Fällen zwischen 13,60 € Verlust und 5,60 € Gewinn (die „Standardabweichung“, also die typische Abweichung, beträgt 9,60 €). Bei Spiel B hat er in 36,6 % der Fälle nichts getroffen und 100 € verloren, in 37,0 % genau einmal getroffen und 4 € verloren, und nur in 26,4 % der Fälle steht er nach zwei oder mehr Treffern mit mindestens 92 € Gewinn auf (wir kommen hier auf eine typische Abweichung von 95,52 €, zehnmal so viel wie bei A).
Spiel B nach 100 Runden zu je 1 €: Anteil der Fälle
Diese „Trefferhäufigkeit“ (englisch „Hit Frequency“), die Hälfte der Runden bei A und eine von hundert bei B, ist der Teil der Volatilität, den man am Bildschirm spürt. Die Quote ist in beiden Spielen dieselbe; nur das zweite erzählt von großen Gewinnen, und zwar, weil es die meisten seiner Spieler mit leeren Händen gehen lässt.
Am äußersten Ende dieser Reihe stehen die Spiele mit progressivem Jackpot, bei denen ein Teil jedes Einsatzes in einen Topf für einen einzigen Gewinner fließt. In Deutschland sind solche Töpfe verboten (im Gesetz trägt die Regel ausdrücklich den Namen „Jackpotverbot“, § 22a Abs. 8), und die Seite über Mega Moolah erklärt die Folgen für ein Spiel, das von seinem Topf lebt.
Warum Ranglisten der „besten Quoten“ täuschen
Ranglisten von Spielen oder Anbietern nach der Quote machen aus einer Rechengröße eine auswählbare Eigenschaft, und sie vermischen dabei häufig zwei Zahlen, die nichts miteinander zu tun haben. Die theoretische Quote eines Spiels kommt aus dessen mathematischem Modell, das der Hersteller für alle künftigen Runden zugleich berechnet, die „Auszahlungsrate“ eines Anbieters in einem Monat dagegen ist das, was in diesen dreißig Tagen tatsächlich ausgezahlt wurde, und sie schwankt mit jedem großen Gewinn.
Eine solche Monatszahl kann über 100 % liegen, wenn wenige große Gewinne in einen kurzen Zeitraum fallen, und frühere Fassungen dieser Seite haben eine solche Meldung (eine Kategorie von Tischspielen, ein einziger Monat) als Beleg für Großzügigkeit wiedergegeben; über die Quote der Spiele sagt sie nichts, sondern nur, dass ein Monat zu kurz ist.
Dazu kommt, dass dasselbe Spiel in mehreren Fassungen mit verschiedenen Quoten existieren kann: Für Extra Chilli Megaways gibt Big Time Gaming Quoten zwischen 96,15 % und 96,41 % an (so stand es auf der Herstellerseite bei unserer Lektüre vom 3. November 2026). Welche Fassung ein Anbieter einsetzt, steht in keiner Rangliste, und wir führen deshalb keine.
Und selbst wenn die Zahl stimmt, ist der Abstand zwischen zwei Quoten klein gegen die Schwankung eines Abends. Zwischen 96,41 und 96,15 % liegt ein Abstand von 0,26 Punkten, der bei einem Umsatz von 1.000 € einen Unterschied von 2,60 € im erwarteten Verlust ausmacht, während die typische Abweichung bei demselben Umsatz schon im ruhigen Spiel A rund 30 € beträgt, denn sie wächst mit der Wurzel der Rundenzahl, und zehnmal so viele Runden ergeben gut dreimal so viel Abweichung.
Warum die deutsche Fassung eine andere Quote haben kann
Was in diesem Abschnitt folgt, gilt nur für Deutschland. Dort wird auf jeden Einsatz bei virtuellen Automatenspielen, an denen ein Spieler von Deutschland aus teilnimmt (§ 36 des Rennwett- und Lotteriegesetzes), eine Steuer von 5,3 % fällig, und zwar „nach dem geleisteten Spieleinsatz abzüglich der Virtuellen Automatensteuer“ (§§ 37 und 38), die der Veranstalter schuldet und nicht der Spieler (§ 39).
Nach unserer Rechnung (5,3 geteilt durch 105,3) sind das gut 5 Cent je eingesetztem Euro. Ein Spiel, das in einer Fassung für andere Märkte 96 % zurückgibt, ließe dem Anbieter nur 4 Cent je Euro, also weniger als die Steuer.
Wir halten es deshalb für naheliegend, dass die deutsche Fassung eines Spiels eine niedrigere Quote haben kann; belegen lässt sich das für ein bestimmtes Spiel nur mit der Anzeige, die das deutsche Recht im Spiel selbst verlangt. Das Spiel muss dort „die durchschnittliche Auszahlungsquote je einen Euro Spieleinsatz“ und die Wahrscheinlichkeit, den höchsten Gewinn zu treffen, an der Stelle zeigen, an der gesetzt wird (so § 22a Abs. 3 in seinem dritten und vierten Satz).
„Irreführende Werbung für öffentliches Glücksspiel, insbesondere solche, die unzutreffende Aussagen über die Gewinnchancen oder Art und Höhe der Gewinne enthält, ist verboten.“
Weil eine Quote ohne ihre Bedingungen täuscht, behandelt das deutsche Recht sie als Aussage über „die Gewinnchancen“, die nicht irreführen darf (§ 5 Abs. 2 GlüStV 2021, sechster Satz). Wir schreiben deshalb jede Quote auf unseren Seiten mit dem, was sie ist: ein theoretischer Durchschnitt über sehr viele Spiele, der für eine einzelne Sitzung nichts verspricht.
Was man mit der Quote anfangen kann
Richtig gelesen ist die Quote ein Werkzeug, mit dem man sich vor dem Spiel die Kosten ausrechnet: Umsatz mal Hausvorteil ergibt den „erwarteten Verlust“, und dieser Betrag ist der Preis des Abends, nicht seine Grenze nach oben, denn ein schlechter Abend kostet mehr. Wer ihn vorher kennt und den Umsatz nach dem tragbaren Preis wählt, behält die Entscheidung über das Ende bei sich, und die Seite über Strategien und Systeme erklärt, warum kein System an dieser Rechnung etwas ändert.
Häufige Fragen
Was bedeutet eine Auszahlungsquote von 96 %?
Dass ein Spiel auf lange Sicht im Mittel 96 Cent je eingesetztem Euro als Gewinn zurückgibt; für eine einzelne Sitzung ist das keine Zusage, und das Ergebnis eines Abends kann weit davon entfernt liegen.
Ist ein Spiel mit höherer Quote immer besser?
Auf sehr lange Sicht kostet es weniger, aber Unterschiede von einigen Zehntelpunkten gehen in der Schwankung einer Sitzung unter, und die Volatilität bestimmt stärker, wie ein Abend verläuft.
Was ist der Unterschied zwischen RTP und der Auszahlungsrate eines Anbieters?
Der RTP ist eine theoretische Größe des Spiels; die Auszahlungsrate misst, was ein Anbieter in einem Zeitraum tatsächlich ausgezahlt hat, und kann in einem kurzen Zeitraum auch über 100 % liegen.
Warum kann ein Spiel in Deutschland eine andere Quote haben?
Weil ein Spiel in mehreren Fassungen existieren kann und in Deutschland die Virtuelle Automatensteuer von 5,3 % hinzukommt; welche Quote gilt, muss das Spiel bei einem erlaubten Anbieter selbst anzeigen.
Kann man die Auszahlungsquote durch eine Strategie verbessern?
Bei Spielautomaten nicht, weil der Zufallsgenerator entscheidet; bei Blackjack oder Video-Poker setzt die angegebene Quote dagegen die beste Spielweise voraus, und jeder Fehler senkt sie.