Roulette, Blackjack und Baccara kennt man aus den Spielbanken, und im Internet haben sie in Deutschland nach unserer Einschätzung den verwickeltsten Rechtsstatus aller Spielformen: Erlaubt oder verboten sind diese Spiele nicht für das ganze Land, sondern Land für Land. Wir erklären hier den Begriff des Online-Casinospiels im Gesetz, die Zuständigkeit für seine Erlaubnis, die Orte eines legalen Angebots nach amtlichen Quellen und die Arbeitsweise eines Tisches mit Kamera.
Was das Gesetz ein Online-Casinospiel nennt
Der Staatsvertrag fasst zwei Dinge unter einen Begriff, nämlich die am Bildschirm berechneten Nachbildungen von Spielen mit einem „Bankhalter“ (dem Haus als Gegenspieler aller Spieler) und die „Live-Übertragungen eines terrestrisch durchgeführten Bankhalterspiels mit Teilnahmemöglichkeit über das Internet“ (so die Begriffsbestimmung in § 3 Abs. 1a). Ein Roulette, dessen Kugel ein Zufallsgenerator rollen lässt, gehört also ebenso dazu wie ein echter Kessel, den ein Croupier (im Jargon der „Live-Dealer“) vor einer Kamera dreht.
Zwei Abgrenzungen folgen aus dem Gesetz selbst. Ein Spielautomat darf kein Tischspiel nachbilden, weil § 22a Abs. 2 solche Automatenspiele für unzulässig erklärt, und umgekehrt ist es verboten, die Automaten einer Spielbank oder Spielhalle zu filmen und „die Teilnahme hieran über das Internet“ zu ermöglichen (§ 22c Abs. 4).
Die Länder entscheiden, jedes für sich
„Die Länder können Online-Casinospiele für ihr Hoheitsgebiet auf gesetzlicher Grundlage 1. selbst, durch eine juristische Person des öffentlichen Rechts oder durch eine privatrechtliche Gesellschaft, an der juristische Personen des öffentlichen Rechts unmittelbar oder mittelbar maßgeblich beteiligt sind, veranstalten oder 2. eine, maximal jedoch so viele Konzessionen erteilen, wie Konzessionen für Spielbanken im Sinne des § 20 nach dem jeweiligen Spielbankenrecht des Landes mit Stand 17. Januar 2020 vergeben werden konnten.“
Jedes Land hat damit zwei Wege, die es nur durch ein eigenes Gesetz öffnen kann: Es bietet die Spiele in eigener Regie oder über ein Unternehmen unter maßgeblicher öffentlicher Beteiligung an, oder es vergibt Konzessionen, deren Zahl an die Spielbanken gebunden ist, die es nach seinem Recht am Stichtag zulassen konnte. Diese Konzessionen sind nach § 22c Abs. 1 Satz 2 „zu befristen“, und der Stichtag für ihre Zahl ist der 17. Januar 2020.
Mehrere Länder können sich „auf der Grundlage eines Verwaltungsabkommens“ zusammentun oder für ihre Hoheitsgebiete gemeinsame Konzessionen vergeben, deren Zahl dann auf die Summe ihrer eigenen begrenzt bleibt (§ 22c Abs. 2). Wer eine Konzession hat und sich nicht an das Gebiet hält, verliert sie, denn Konzessionen „sind zu widerrufen“ bei einer Missachtung der Begrenzung auf das Gebiet der erteilenden Länder (§ 22c Abs. 3).
Die Erlaubnis kommt deshalb nicht von der GGL, sondern von der Glücksspielaufsicht des jeweiligen Landes, und der Staatsvertrag überlässt den Ländern ausdrücklich die Einzelheiten („Das Nähere regeln die Länder in landesrechtlichen Bestimmungen“, § 22c Abs. 5).
Die Regeln zum Schutz der Spieler bleiben dabei dieselben wie bei allen Spielen im Internet, vom anbieterübergreifenden Einzahlungslimit (§ 6c Abs. 9) bis zum Ausschluss gesperrter Spieler (§ 8 Abs. 2). Für die Online-Casinospiele legt die GGL sogar verbindliche Rahmenregeln fest, unter denen ein Land einem Anbieter erlauben kann, im Einzelfall ein abweichendes Limit mit Wirkung für alle Anbieter zu setzen (§ 6c Abs. 1 Satz 4 und 5).
Wo es ein legales Angebot gibt
In seiner Antwort auf eine Anfrage im Landtag ging das baden-württembergische Innenministerium am 15. Dezember 2025 davon aus, dass „es derzeit nur in Bayern und Schleswig-Holstein ein legales Online-Casinospiel-Angebot gibt“ (Landtagsdrucksache 17/9741); für Nordrhein-Westfalen berichtet dieselbe Stellungnahme von einem Verfahren mit „maximal fünf Konzessionen“.
Schleswig-Holstein hatte am 18. September 2024 mitgeteilt, dass sein Innenministerium vier Erlaubnisse für Online-Casinospiele an private Anbieter erteilt hat, nach eigener Darstellung „erstmals in Deutschland“, und diese Erlaubnisse gelten nur dort. Die Anbieter müssen laut der Mitteilung (gelesen am 3. November 2026) „besondere spielerschützende Vorgaben beachten“, deren Inhalt sie nicht im Einzelnen nennt. Baden-Württemberg hat sich nach derselben Stellungnahme für den staatlichen Weg entschieden (durch einen Beschluss des Ministerrats vom 9. März 2021), hatte im Dezember 2025 aber noch kein eigenes Angebot, wie wir der Antwort entnehmen.
Für den Spieler folgt daraus eine Regel ohne Gegenstück bei den Spielautomaten: Ein in Schleswig-Holstein erlaubter Tisch ist für einen Spieler in Hessen kein erlaubtes Angebot, denn die Erlaubnis endet an der Landesgrenze; veranstaltet wird ein Glücksspiel nach § 3 Abs. 4 dort, „wo dem Spieler die Möglichkeit zur Teilnahme eröffnet wird“. Was ein Spieler an einem Tisch ohne deutsche Erlaubnis verliert, beschreibt die Seite über ausländische Lizenzen.
Auf der amtlichen Liste der GGL gibt es dafür eine eigene Kategorie „Online-Casinospiele“, und jede Eintragung dieser Kategorie nennt ein „Vertriebsgebiet“, das zeigt, für welches Gebiet die Erlaubnis gilt. Die Anbieter dieser Kategorie nennen wir hier nicht, weil diese Seite überhaupt keine Anbieter nennt, und man findet sie auf der Liste selbst und auf unserer Seite Erlaubte Anbieter.
Wie ein Live-Tisch funktioniert
An einem Live-Tisch steht ein echter Tisch in einem Studio oder in einer Spielbank, und eine Kamera überträgt, was dort geschieht. Der Croupier dreht den Kessel und wirft die Kugel oder teilt die Karten aus, und man setzt über eine Maske am Bildschirm, solange die Zeit für Einsätze läuft. Das Ergebnis bestimmt hier kein Zufallsgenerator, sondern die Kugel oder das Blatt.
Am Vorteil des Hauses ändert die Kamera nichts. Beim Roulette mit einer Null behält die Bank bei jeder Wette 2,70 % (1 von 37 Feldern), beim amerikanischen Kessel mit Null und Doppelnull (der „Double Zero“) bei fast allen Wetten nach unserer Rechnung 5,26 % (2 von 38 Feldern), und die Regeln des europäischen Roulettes und des amerikanischen Roulettes zeigen, woher diese Zahlen kommen.
Ein Spieler, der hundertmal 10 € auf Rot setzt, bewegt 1.000 €, und sein erwarteter Verlust beträgt 27,03 € am europäischen und 52,63 € am amerikanischen Kessel, gleichgültig, ob eine Kamera zusieht. Ein Live-Tisch ist deshalb kein großzügigeres Roulette, sondern dasselbe Roulette vor einer Kamera, und für die Kartenspiele gilt die gleiche Logik. Beim Blackjack hängt die tatsächliche Quote zusätzlich davon ab, wie gut der Spieler entscheidet; die Regeln des Blackjack und die des Baccara beschreiben beide Spiele Zug für Zug.
Die Prüfung vor dem Platz am Tisch
Wer einen Tisch mit echtem Croupier sucht, prüft also zuerst nicht das Spiel, sondern das Land, nämlich zwei Dinge, die Geltung der Erlaubnis für seinen eigenen Aufenthaltsort und den Eintrag des Anbieters mit genau diesem Gebiet auf der amtlichen Liste. Fehlt eines von beiden, ist es für ihn kein erlaubtes Spiel, auch wenn es in einem anderen Land eines ist, und wer sich trotzdem darauf einlässt, trägt alle Risiken, die wir oben verlinkt haben und die uns zu dieser Seite bewogen haben.
Häufige Fragen
Ist Online-Roulette in Deutschland erlaubt?
Nur dort, wo ein Land es nach § 22c GlüStV 2021 erlaubt hat, und nur für das Gebiet dieses Landes; Ende 2025 war das nach Angaben der Landesregierung in Stuttgart in Bayern und Schleswig-Holstein der Fall.
Wer erteilt die Erlaubnis für Live-Tische?
Die Glücksspielaufsicht des jeweiligen Landes, nicht die GGL, und jede Erlaubnis gilt nur für das Gebiet, für das sie erteilt wurde.
Ist ein Live-Tisch fairer als ein Roulette am Bildschirm?
Der Vorteil des Hauses ist derselbe, beim europäischen Roulette 2,70 % je Wette; der Unterschied liegt nur darin, dass Kugel und Karten das Ergebnis bestimmen und kein Zufallsgenerator.
Darf ein Spielautomat Roulette nachbilden?
Nein, § 22a Abs. 2 GlüStV 2021 schließt Automatenspiele aus, die Tischspielen mit Bankhalter entsprechen, und Roulette bleibt deshalb ein Online-Casinospiel der Länder.
Wie erkennt man, für welches Land ein Angebot erlaubt ist?
Auf der amtlichen Liste der GGL, in der Kategorie „Online-Casinospiele“, deren Eintragungen jeweils das Vertriebsgebiet angeben.