Fortunium: warum ein höherer RTP gegen Aufpreis teurer sein kann

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Ein höherer RTP klingt nach einem besseren Geschäft für den Spieler, und bei Fortunium lässt er sich sogar gegen Aufpreis einschalten, und damit stellt sich die Frage nach dem Gegenwert dieses Aufpreises. Das Debüt von Stormcraft Studios aus dem Juni 2018 ist deshalb ein gutes Beispiel dafür, warum man eine Quote nie ohne ihren Bezug auf den Einsatz lesen sollte.

Eine Stadt aus Messing und Dampf

Die Fachmagazine Intergame und CasinoBeats beschreiben in ihren Berichten zum Start (19. und 20. Juni 2018) ein Spiel im „Steampunk“-Stil (eine Ästhetik aus Messing, Zahnrädern und viktorianischer Kleidung) mit fünf Walzen und fünf Reihen, hochkant für das Telefon gebaut. Erschienen ist es bei Microgaming, das die Spiele von Stormcraft damals exklusiv vertrieb, und vorgestellt wurde es auf der Messe ICE 2018 in London.

Stormcraft Studios, nach der Darstellung von Games Global seit 2016 tätig, liefern ihre Spiele inzwischen an Games Global (so dessen Seite über die Studios, die wir am 3. November 2026 aufgerufen haben). Victoria und Maximillian (laut den Magazinen die Gründer der Stadt) erscheinen als hohe Stapel von Symbolen, und eine Spieldatenbank, die wir am 3. November 2026 gelesen haben, nennt 40 Gewinnlinien.

Das eigentliche Merkmal sind aber „Mystery“-Symbole (verdeckt bis zum Stillstand der Walzen): Sie fallen „super stacked“, also in hohen Stapeln, und verwandeln sich in ein Wild, ein hohes oder ein niedriges Symbol, und welches es wird, entscheidet allein der Zufall.

Was der Win Booster tut

Der „Win Booster“ erhöht nach den beiden Fachmagazinen den Einsatz um 50 %, und dafür verwandeln sich die Mystery-Symbole nur noch in hohe Symbole oder in Wilds, wobei die verstärkten Symbole in die „Freispiele“ (Runden ohne neuen Einsatz) mitgenommen werden. In ihnen (sie beginnen mit Scattern und verlängern sich mit weiteren) können bis zu drei „Mystery Reels“ erscheinen (Walzen, die ganz aus verdeckten Symbolen bestehen).

Die Quote nennt nur eine einzige Quelle, eine Spieldatenbank, und zwar zweifach: „Normal = 96.37“ und „Boosted = 96.47“, ohne zu sagen, ob es daneben weitere Fassungen gibt. Mit dem Booster steigt sie also um genau ein Zehntel Prozentpunkt, während der Einsatz gleich um die Hälfte steigt, und diesen Abstand haben wir nachgerechnet.

Die Rechnung mit und ohne Booster

Wir haben beide Fälle für denselben Spieler durchgerechnet, der 200 Spiele zu 0,40 € spielt, 80 € umsetzt und dabei im theoretischen Mittel 3,63 % davon verliert, also 2,90 €. Schaltet er den Booster ein, kostet jedes Spiel 0,60 €, die 200 Spiele bringen 120 € Umsatz, und bei 96,47 % beträgt die rechnerische Einbuße 4,24 €; der Booster macht die Quote ein wenig besser und das Spiel um 1,34 € teurer.

Das ist kein Widerspruch. Eine Quote misst den Rückfluss je eingesetztem Euro im Mittel; wer mehr Euro einsetzt, gibt deshalb auch bei einer etwas besseren Quote mehr ab, solange sie unter 100 % liegt, und das ist bei einem Spielautomaten immer der Fall, denn der Rest der Einsätze bleibt im Mittel beim Anbieter. Wie man solche Quoten liest, steht ausführlich auf unserer Seite über Auszahlungsquoten.

Was der Booster tatsächlich verändert, ist die Verteilung: Mehr hohe Symbole und Wilds bedeuten nach der Beschreibung der Magazine größere Treffer, und die mittlere „Volatilität“, die dieselbe Datenbank angibt, bezieht sich auf das Spiel ohne diese Unterscheidung. Wie oft sich der Aufpreis an einem einzelnen Abend auszahlt, kann keine Quote sagen, auch nicht die „Boosted“-Quote.

Der Booster unter deutschen Regeln

In Deutschland darf der Einsatz 1 € je Spiel nicht übersteigen (§ 22a Abs. 7 Satz 1), und der Booster ist nach seiner eigenen Beschreibung ein höherer Einsatz. Enthält eine deutsche Fassung ihn und rechnet sie wie die internationale, bleibt für den Grundeinsatz rechnerisch höchstens 0,66 €, weil 0,66 € mal 1,5 knapp unter einem Euro liegt (0,99 €), und schon 0,67 € ergäben mit Booster 1,005 €, also mehr als die Grenze.

Eine Ausnahme bilden Anbieter mit der dafür nötigen Erlaubnis, die seit Juli 2026 schrittweise bis 3 € und 5 € gestatten dürfen, wenn der Spieler mindestens 21 ist, oberhalb von 3 € nur mit zusätzlichen Auflagen, und das vorerst nur bis zum Jahresende 2027. Das Merkblatt (Stand Juni 2026), mit dem die GGL die Anträge für einzelne Spiele regelt, verlangt außerdem für jedes Spiel die Angabe des „möglichen Maximal-Einsatzes im Einzelspiel“, der Quote (des RTP) und der „Versionsnummer“, und eine Änderung der Quote „ist anzuzeigen“.

Einen Höchstgewinn beziffert keine unserer Quellen (die Datenbank führt ihn als „N/A“), und gerade deshalb zählt die Pflichtanzeige jeder deutschen Fassung: die Wahrscheinlichkeit des Höchstgewinns, nach dem Merkblatt mindestens für die höchsten Symbolwerte auf allen gespielten Linien anzugeben. Welche Quote die deutsche Fassung hat und ob sie zwei Werte nennt, zeigt ebenfalls nur die Spielinformation, die neben dem Einsatz stehen muss.

„Inhaber einer Erlaubnis für die Veranstaltung von virtuellen Automatenspielen dürfen ein virtuelles Automatenspiel nur anbieten, wenn dieses zuvor auf deren Antrag von der zuständigen Behörde erlaubt worden ist. […] Wesentliche Änderungen des virtuellen Automatenspiels nach Erteilung einer Erlaubnis nach Satz 2 bedürfen der Erlaubnis der zuständigen Behörde.“

§ 22a Abs. 1 Sätze 2 und 4 GlüStV 2021

Die übrigen Regeln, die jede in Deutschland erlaubte Fassung trägt, betreffen das Tempo (eine Drehung muss im Mittel wenigstens fünf Sekunden dauern), das Verbot jeder Automatik, das Spielen immer nur eines Spiels und die Rechnung in Euro und Cent, und der Leitfaden zu den virtuellen Automatenspielen führt sie mit ihren Fundstellen auf.

Unser Urteil

Wir halten den Win Booster für ein Angebot, das man durchrechnen sollte, bevor man es annimmt; er macht das Spiel je Drehung teurer (bei 0,40 € Grundeinsatz um 0,20 €) und verschiebt dafür nur die Verteilung der Gewinne. Wer Fortunium wegen seiner Bilder und seiner verdeckten Symbole mag, verliert nach unserer Rechnung nichts mit ausgeschaltetem Booster, bis auf die Aussicht auf größere Treffer.

Die Entscheidung lässt sich bei jedem Spiel neu treffen, und sie liegt allein beim Spieler, der den Preis jeder Drehung in Euro vor Augen hat. Ein Spiel mit einem noch höheren Aufpreis, weil man gleich eine ganze Bonusrunde kauft, ist Extra Chilli Megaways, und ein älteres Spiel desselben Teams ist Hot as Hades.

Häufige Fragen

Was bringt der Win Booster bei Fortunium?

Er erhöht den Einsatz um 50 % und lässt die Mystery-Symbole nur noch zu hohen Symbolen oder Wilds werden; die Quote steigt laut einer Spieldatenbank dabei nur von 96,37 auf 96,47 %.

Wer hat Fortunium entwickelt?

Stormcraft Studios, für das Fortunium im Juni 2018 das erste veröffentlichte Spiel war, damals exklusiv über Microgaming.

Welche Auszahlungsquote nennen die Quellen für Fortunium?

Eine Spieldatenbank nennt 96,37 % ohne und 96,47 % mit Booster; in Deutschland gilt die Quote, die die Fassung des Anbieters neben dem Einsatz anzeigt.

Darf man Fortunium in Deutschland mit Booster über 1 € spielen?

Nur wenn der Anbieter dafür eine Erlaubnis der GGL hat und der Spieler mindestens 21 Jahre alt ist, denn der Booster zählt zum Einsatz; über 3 € kommen weitere Auflagen hinzu, und mehr als 5 € sind auch dann ausgeschlossen.